"Klinifizierung"

 

 

I (16./17.06.2017)

 

WARTEN.

Scheint’s die wichtigste Kategorie meines Privatbegriffs „Klinifizierung“, den ich unversehens empirischem Test aussetzen konnte. Kaum dass eine wochenlange HetzHetzPhase grade zu Ende gegangen war und auf ein bisschen mehr selbstbestimmte Tagesgestaltung hoffen ließ - - -

Was vorausgegangen war und in seiner Trivialität späterer Erinnerung leicht abhanden kommen könnte: Besuch in Weinheim, B* – ausgedehnte Spaziergänge zu den ‚Weinheimer highlights‘, hochsommerlich, ungebremste Gespräche, schön. Aber wohl für den Mobilitätsanteil am Besuchsprogramm nicht das optimale Schuhwerk, geliebter Sommerchic, aber eher ne Sohle für indoor. Habe ich erst am drauf folgenden Montag gemerkt: An der rechten Fußsohle eine blutige Stelle gelaufen (Blase, aufgegangen?) – egal: damit’s nicht weiter blutete, Kompresse drauf, klebemull-befestigt, gut. Zwei Tage später ‚Stelle‘ besser aber noch nicht gut – also dito erneuert. Nochmal zwei Tage später stellt sich raus: Verband verrutscht, ‚Stelle‘ macht verdächtigen Eindruck – und die „beste Ehefrau von allen“ (Kishons unvergessener ‚Adelstitel‘) macht Druck ‚sofortestens zum Arzt‘.

Also freitagnachmittax zum Notdienst in der Klinik.

 

WARTEN. Bis was passiert.

Die Wartezone sitzt voll, muss erstmal WARTEN, bis ich zur Anmeldung rein darf, ich bin der letzte, bleibe es auch – 1 Stunde. Frau Doktor guckt und verzieht die Schnute: „Da müssen Sie eigentlich gleich… was haben Sie denn in den nächsten Tagen vor… [ich runzele schon die Stirn] – naja, wir könnten’s auch ambulant, äh, ich schreibe Ihnen Tabletten auf, und wenn’s dann Montag nicht besser ist – besser wäre aber, wenn Sie drei Tage intravenös [blabla, es fällt der Name einer Antibiotica-Infusion]…“ Ich mustere blitzschnell meinen Inneren Kalender (besser jetztgleich-und-schneller-fertig!) und gebe mich geschlagen: dem doofen Fuß (der immer noch nicht wehtut, aber dick angeschwollen ist bis zur halben Wade) und der Frau Doktor. Fuß neu und aufwändiger verbunden.

Und sagt „WARTEN Sie draußen einen Moment, Frau Sowieso gibt Ihnen dann die Überweisung…“ - - - - - Gerade mal noch schnell nach Hause darf ich, Klinik-Köfferchenpacken (paar Bücher als AntiLangeweileStoff, das unvermeidliche Pfeifenköfferchen, die ewigen Dauermedikamente nicht zu vergessen)

Erlaubt, gemacht.

KlinikPforte, Zettel vorgezeigt. Geht schnell (das einzige Mal bis jetzt), meine Daten sind schon ‚im System‘ von vor Jahren mal.

WARTEzimmer der Notfallambulanz „WARTEN Sie mal – ist grade viel los“ ruft die zuständige Schwester. Also 20 Minuten.

„Herr Scholz bitte!“ Also auf die mittlere, noch freie Liege. Ein Doktor kommt, fragt mich aus, macht den grade mal 1 Stunde alten Verband ab. Erklärt sich aber für nicht zuständig („da kommt gleich ein Kollege, Chirurgie…“). WARTEN. Wer dann nach nicht-gezählten Minuten (mir kommt’s nicht mehr drauf an) kommt, ist eine Kollegin. Der unzuständige sah nach Syrer oder so aus, die neue, die mehr spricht, klingt nach Herkunft aus dem früheren Jugoslawien. Was man, wenn man sich auf „Tunnelblick“ einschrumpft, sich eben so nebenher zusammenreimt. Die blonde ‚ExJugoslawin‘ bleibt aber auch wortkarg in den Punkten, die mich alleine interessieren (was isses? Was wird dagegen gemacht? Wie lange muss ich bleiben?): Ich merke mir „entzündet, Erysipel, da kriegen Sie ein paaaar Tage Infusion, und dann sieht man mal“. Hm. Neuer Verband druff, auch ne Salbe auf die ‚Stelle‘. Im Übrigen muss ich also WARTEN.

Gar nicht warten muss ich allerdings auf den Transfer ‚auf Station‘. Der junge Mann (der einzige bislang, der sich namentlich vorstellt und dass er noch in Ausbildung sei) mit dem Rollbett steht schon parat.

Station 4, Zimmer 203 – Einzelzimmer, nett. Schwester Doris stellt sich vor, erklärt den Notknopf, installiert das Infusions-equipment, das anfängt zu laufen – nacheinander drei verschiedene Flaschen (noch keine Ahnung was wogegen). Es ist viertel nach 8, ich lasse laufen. Und mir einfallen, dass im TV der FreitaxKrimi für Ablenkung sorgen könnte – kommt aber nicht, es läuft schon eine Gedenksendung für ExKanzler Kohl. Zwischendurch stellt sich Nachtschwester Ilka vor, wechselt die erste gegen die zweite und dann die gegen die dritte Infusionsflasche („die dauert bis morgen früh…“).

Irgendwann mache ich’s Licht aus.

 

Samstagmorgens geht’s stationsbetrieblich wieder los – es gibt neue Facetten zu entdecken am

WARTEN: Bis man kapiert, wie’s läuft.

Sagt einem ja keiner was, oder fast nix.

Vorm Frühstück schon werden die Schläuche vorerst mal rausgezogen. Chance für den Morgenpfeifchen-Durstigen, mal Ausschau nach einem auch im „Rauchen_verboten“-Deutschland lizenzierten Plätzchen zu halten. Auf Bänkchen vor dem Haus-Eingang sitzen welche, schon gesehen. Aber sieh da: am Ende des Flurs, ein kleiner Balkon, mit Sitzgruppe sogar. Angeguckt. Wenn man draußen ist und die Glastür hinter sich zugemacht hat, sieht man das Schildchen mit der durchgestrichenen Zigarette - super, sehr logisch für „drinnen verboten“. Nur – als ich mich mit Pfeifenköfferchen und Lektüre anschicke, das lizenzierte Plätzchen zu beziehen, bringen mißbilligende Schwestern-Zeigefinger mir bei: die Platzierung des Schildchens ist nicht logisch gemeint, sondern ‚überhaupt‘. Runter vors Haus!

Die Klinik ist eine Körperfunktionsoptimierungs-Anstalt. Ein vielteiliger Mechanismus, in dem PflegerInnen, Putzhilfen, VerpflegungsproduzentInnen, ÄrztInnen wie Rädchen rotieren – wochenends in deutlich reduzierter ‚Mannschaftsstärke‘, immer mal ein neues Gesicht. Und immer eilig getaktet. Und ich bin ein Anwendungsfall.

Was ich essen möchte? Soll eine Liste ankreuzen, bis nächsten Sonntag – so lange will ich ja gar nicht hier bleiben müssen.

Basisdaten des Körpers werden mit Messgeräten abgelesen, Blutdruckmanschetten, Digitalthermometer mal kurz ins Ohr, Blutproben entnommen – für alle Fälle – Daten in Listen geschrieben.

Infusionen soll ich kriegen – was für…, wie oft, murmelt die Stationsschwester mal schneller als ich’s mir merken kann, während sie die näxten Flaschen anweisungsgemäß an den Galgen hängt.

Aber wer welche Anweisungen gegeben hat und wie sich die auf die Optimierung der Funktionsfähigkeit meines Fußes beziehen, ist schwer rauszukriegen. „Wann kommt ein Arzt vorbei, mit dem ich mal in Ruhe sprechen kann?“ frage ich. Tja – Samstag: „Der Doktor kommt bestimmt im Lauf des Tages – der hat aber auch die Notfallambulanz…“ WARTEN. Ich muss vermuten, die blonde ‚ExJugoslawin‘ vom Freitagabend war’s, die den professionellen Therapiezettel geschrieben hat, den der Anwendungsfall natürlich nicht zu sehen kriegen braucht (würde die fachchinesischen Codes der Körperfunktionsoptimierungs-Anstalt auch nicht entschlüsseln können).

WARTEN. Mir tut nix weh, kann aufstehen; statt im Bett zu liegen, säße ich lieber mit Schmökerbuch und Schmökerpfeifchen auf dem lizenzierten Raucherplätzchen vor der Tür.

Aber wenn der Doktor – dreimal habe ich mit zart gesteigertem Nachdruck nachgefragt – zwischenzeitlich mal schnell auf der Station erscheint? Neinneinnein, das machen wir nicht, Sie mit dem Handy von unten rauf zu rufen, lerne ich von der stirnrunzelnden Schwester: „Sie sind hier Patient, und haben sich auf dem Flur erreichbar zu halten“ – ahA! WARTEN also.

Als der Doktor nachmittax durch die Tür tritt, ist’s ein wieder anderer, ziemlich jung, aus Syrien, sieht mich zum ersten Mal, kennt nur was es vom Anwendungsfall schon an Akte gibt, das kranke Körperteil ist verbunden und bleibt’s auch; sichtlich in Eile, lässt er sich die Vorgeschichte meines Andockens in der …anstalt erzählen, repetiert aber nur den Therapiezettel der Kollegin. Von den drei Infusionsflaschen kann ich ihm („mir tut nix weh, hat es auch vorher nicht erwähnenswert“) die mit dem Für-alle-Fälle-Schmerzmittel abschwatzen („gut, dann schreiben wir ‚bei Bedarf‘“). Oha, denke ich, und lehne mich mit diesem Mini-Mitbestimmungserfolg leicht zurück. Weg ist er wieder.

Ich WARTE. Als die Schwester kommt, um den Infusionsgalgen neu zu bestücken, hat sie wieder drei Flaschen in der Hand. Ich erklär’s ihr nochmal, das mit dem Schmerzmittel – da haben wohl die Rädchen noch nicht ineinander gegriffen (obwohl ich den Doktor das auf dem Flur habe anweisen hören).

Und immerhin: beim Hinausgehen verrät sie mir, was der Anstalts-Mechanismus vorsieht: Antibioticum 3x täglich, 8:00/16:00/24:00 Uhr. AhA. Und wann der Wechsel von Frühschicht zu Spätschicht beim Stationspersonal ist und die Übergabe an die Nachtschicht. Hätte ich auch gut mal schon zu Anfang meines Aufenthalts gesagt bekommen können – wäre ein Minimum an „Erklärung“ gewesen.

 

Kann mich also jetzt präziser anstaltskonform verhalten, will ja, dass sie in meinem Anwendungsfall funktioniert. Und mich auf eine Mitternachts-action der Nachtschwester einstellen J.

Macht nix. Samstagabend bietet das ZDF auch im Krankenzimmer eine Krimi-Doppelfolge einer Lieblingsserie mit Senta Berger – da wird mir das WARTEN erleichtert.

Ist dann aber doch anders.

Nachtschwester Ilka, jovial, steckt schon um 21:00 den Kopf durch die Tür, die Antibiotica-Flasche in der Hand: „neenee, da muss ich Sie dann nicht wecken…“ Besser gemeint, als es klappt. Kaum ist der Schlauch eingestöpselt, durchnässt die klare Flüssigkeit Armverband und Bett – hinterhergeklingelt also; „ach“ sagt Schwester Ilka routiniert, „da ist die Dauerkanüle [den Fachausdruck hab ich nicht behalten; FS] aufgelöst“. Schnell alles rausgezogen, zugestöpselt – ich lerne: jene ‚Dauerkanüle‘ ist gar nicht aus Stahl, sondern aus Kunststoff, der nach kurzer Frist von den scheints aggressiven Flüssigkeiten zersetzt wird, ein ganz normaler Verschleißfall also. Unterm Strich: da muss der Doktor kommen (der ‚arme kleine‘ Nachtdienst-Syrer, den die Notfallambulanz mit Beschlag belegt) und eine neue stechen.

Also wieder WARTEN. Derweil Senta Berger & Co auf dem Bildschirm die Doppelfolge zum Ende bringen, in der serientypischen Machart: mehr oder minder angeschrammtes Glück für die Kleinen Leute, unbehelligte krumme Deals für die Nadelstreifenfiguren.

Kurz danach erfüllt sich das Warten: der Doktor tritt ein, sticht ein neues Loch in die Armvene, stöpselt den Schlauch an – und es darf weiter laufen. In der Milde der Sommernacht kann ich ihm noch fragmentenweise wenixtens Infos entlocken darüber, wie und wann eigentlich ‚das System‘ darüber entscheidet, wie lange ich bleiben muss (und ich weiß schon: die für Ärzte vielleicht nervigste Patientenfrage…): Blutwerte, ‚Lokalbesichtigung‘ am unverbundenen Fuß uswusw, alles frühestens montax – das mache dann die Stationsärztin (aha, die blonde ‚ExJugoslawin‘ – gut dass ich das auch mal weiß).

So kriegt das WARTEN ins Blaue hinein einen weiteren Anhaltspunkt, und der Sonntag kann dann kommen………………………………………

 

 

II (18. – 20.06.2017)

 

Was Klinifizierung bedeutet, lässt sich zwar am besten narrativ verständlich machen. Drum ein Tagebuch.

Aber ein wenig Analyse darf auch sein, selbst wenn’s ein Privatbegriff ist.

 

  • Aus der unsortierten Buntheit des gelebten Lebens, wie sie sich in einem Individuum verkörpert, wird die Abstraktion eines „Anwendungsfalles“ des Medizinsystems.
  • Die medizinischen Fachagenturen (‚Hausarzt‘, Spezialisten für Dies+Das, verschärfend: eine Klinik-Organisation) isolieren Leibphänomene, die im ‚normalen Leben‘ so gut wie unbemerkt mitlaufen, als Wahrnehmungs-Thema. Indem sie durch Um-Kontextierung ‚umdefinieren‘; die Perspektive der Fachagenturen rastert das ‚normal lebende Individuum‘ nach Maßgaben ihrer an generellen(!) Körperfunktions-Normen orientierten Kategorien: aus dem ‚normal erlebten‘ Phänomen „mir ist neuerdings oft schwindlig“ oder „mit der ‚Stelle‘ am Fuß stimmt was nicht“ wird das Epi-Phänomen einer Störung im Innenohr oder eben eines ‚Erysipel‘…
  • Die Termin-Prioritäten des ‚normalen Lebens‘ switchen blitzartig um; manchmal hat das Individuum einen gewissen Spielraum für die Entscheidung, seine ‚normalen‘ Präferenzen zurückzustellen, manchmal geht garnix mehr: Vorrang haben dann nicht die selbstgewählten Ziele/Absichten/Pläne mit ihrem je spezifischen timing, sondern die Eckdaten des Medizinsystems (Öffnungszeiten, Sprechstunden, systeminterne Sequenzierungen, u.ä.m.). Die Aufgabe, die Kollateralschäden dieses switching fürs ‚normale Leben‘ zu ‚regeln‘, externalisiert das Medizinsystem ‚achselzuckend‘: der „Anwendungsfall“ muss ‚sich selbst‘, so gut’s geht, zum „Individuum“ incl. seinen diversen Rollen-commitments re-switchen.
  • Die Umdefinition des ‚Individuums‘ durch Um-Kontextierung ist ein Exempel subjektloser Herrschaft (Foucault lässt schön grüßen): wo „Subjekt“ war (oder doch die Unterstellung dessen als Zentrum von ‚Autonomie‘), muss „Objekt“ werden (das Neutrum des „Anwendungsfalls“: ‚DER Blinddarm‘, ‚DAS Erysipel‘ etcetc). Die Beziehungsnetze des Individuums werden gekappt oder doch bis aufs Äußerste marginalisiert (ja, da gibt’s vielleicht noch ‚Angehörige‘…), im systemischen Bedarfsfall instrumentalisiert.
    • Der subtileren eins unter den Fein-tuning-Instrumenten der Herrschaft – jedenfalls einer Klinik-Organisation – ist die wie selbstverständliche Hege konditionierter Uninformiertheit des „Anwendungsfalles“: wer gehört zum ‚Behandlungspersonal‘? wer heißt wie? wer in der Organisations-Hierarchie hat welche Therapie-Entscheidungskompetenz? und, trivialer noch aber für die Rettung des „Anwendungsfalls“ auf ‚Autonomie-Inseln‘ relevant, wie sind die ‚Behandlungs-Zeitroutinen‘ des „…-systems“?
    • Antworten auf all diese Fragen sind dem „…-system“ an sich ohne Weiteres möglich, aber sie kommen nur in Zufallsfolge und –auswahl an die Oberfläche der Kommunikation zwischen ‚Behandlungspersonal‘ und „Anwendungsfall“. Dieser empirische Sachverhalt wird offensichtlich gesteuert vom Idealtypus des „Anwendungsfalles“, dem immobil ‚ans Bett gefesselten‘ (wie sprechend!) Körper (exemplarischer Originalton Schwester X „Sie sind hier Patient und müssen zu unserer Verfügung sein“).
  • Das landläufige, auf Sozialverträglichkeit im ‚normalen Leben‘ peilende Rechtfertigungs-Ideologem für diese Umkrempelung des elementaren Selbstbestimmungs-Momentum zum Einverständnis ins Vereinnahmtwerden durchs „…system“ lautet schlicht: „Aber die Gesundheit – das ist doch das Wichtigste“. Wer wollte dem zuwider-handeln, ja –leben, ohne Gefahr laufen zu müssen, als a-sozial zu gelten…

 

Dieser Vorgang der Abstraktion vom „gelebten Leben“ zum „Anwendungsfall“ ist kategorial nix Singuläres. Analogien gibt’s bei

  • der ‚Projektion‘ des belebten dreidimensionalen Globus Erde auf eine zweidimensionale Landkarte
  • der ‚Übersetzung‘ eines belebten Leibes in die Querschnitt-Aufnahmen eines CRT

Ums bei diesen Beispielen zu belassen – dasselbe und doch nicht das Selbe: Das Sach-Thema ist sowieso nichtendenwollend.

 

III: Nachbemerkung 2026

 

Unter den seinerzeitigen Umständen konnte mich ‚die Klinik‘ ein paar Tage später „nachhause entlassen“. Aber von „geheilt“ nicht die Rede – die chose zieht sich hin, seit neun Jahren inzwischen also. Seitdem kümmert sich eine lokale Hautärztin treulich um die ‚Stelle‘, mit wechselnden „Erfolgs“erlebnissen.

Zumal 2023 zwei weitere Phasen von „Klinifizierung“ angesagt waren: zwei verschiedene Kliniken, zwei „OP“s (die zweite zum Nachbessern der ersten), mit dito beschränktem „Heilungs“erfolg – seitdem hat auch der linke Fuß, am Knöchel, eine ‚Stelle‘ für die Hautärztin…

Dies mal abgesehen von dem mehr als lästigen Umstand, dass die zweite Klinik mich seinerzeit mit einer irreführenden Nachsorge-Anweisung „nachhause entlassen“ hat – mit der Konsequenz, dass in der Folge 18 Monate lang ambulante Pflegedienstler*innen sich 2-täglich „kümmern“ mussten um einen (professionell sog.) Dekubitus, den es vor dieser „Klinifizierung“ gar nicht gab. Und dass meine Alltags-Lebensführung unfreiwillig „stationär“ wurde – davon, dass derlei die Versicherungen [und letztlich: die Versicherten selbst] viel Geld gekostet hat, sei hier gar nicht die Rede.

Das hätte Prozesshanseln Anlass genug geboten, jener zweiten Klinik gerichtlich einen „Kunstfehler“-Vorwurf anzuhängen. Aber welcher Privatmensch zettelt schon so was an, gegen einen vermutlich viel-millionenschweren Medizin-Konzern?

Apropos ‚„Kunstfehler“-Vorwurf‘. Damit sollten sich professionelle Theologen wie ich eh‘ zurückhalten, v.a. gegenüber professionellen Medizinern. Das gebietet schon die interdisziplinäre, kollegiale Fairness. Denn Ärztinnen und Ärzte sind vom Ansatz weg schlechter ‚aufgestellt‘ als Pfarrer*innen, hinterlassen im Fall des Falles gefühlt drastischere Spuren: wenn unsereins sich auf der Kanzel mal „ver-predigt“, macht er/sie’s am nächsten Sonntag anders und richtiger. Während, wenn Ärzt*innen sich „vertun“, bleibt da, übelstenfalls, ein Toter zurück, oder ein zeitlebens irreparabel Gehandicapter.

Dabei – mit meinen nun zwei „blöden Füßen“: das geht schon noch.

 

© Frithard Scholz

06.06.2026

 

 

Schön bei allem, dass es von Janosch „Ich mach dich gesund, sagte der Bär. Die Geschichte, wie der kleine Tiger einmal krank war“ (Diogenes Verlag Zürich 1985) gibt: