Geradezu alt-"balkanische" Vorurteile...

 

…erlebe ich an mir bei der Lektüre der heutigen Morgenzeitung vom 27.10.2026. Die auf der Titelseite ‚aufmacht‘ mit einem Artikel über den Ausgang der Präsidentschaftswahl in Serbien. Und meldet vom artigen Eingeständnis des bisherigen Präsidenten Aleksandar Vučic, er habe die Wahl gegen die (in den Medien sog.) „studentische Opposition“ verloren – die Zeitung vermutet künftig ihn als Oppositionsführer im serbischen Parlament.

Derlei demokratie-übliche Manieren sind Zeitungslesern wie mir offenbar schon aus dem Sinn geraten, zu Zeiten von Herrn Trump und so. Regeln einigermaßen machtbewusste „Herrschaften“ solche unschönen Zwischenfälle heutzutage nicht durchs Herbeikommandieren von Militär und Polizei, hm? Um das ‚abgeirrte‘ Wahlvolk „zur Räson zu bringen“, zur „Vernunft“, wie sie sie gerne hätten. Aber Nein: Herr Vučic respektiert Wahlergebnisse. Das geht, sogar „auf dem Balkan“ – hallo, Herr Trump: muss nicht gleich ein mob-getriebenes „Kapitolverbrechen“ her.

Klar: momentan noch ganz unersichtlich, wie eigentlich die siegreiche „studentische Opposition“, der’s – wie zu hören und zu lesen – um ‚grundlegende Änderung der Verhältnisse‘ gegangen sei, nun mit dem prozeduralen Kleinklein zurecht kommen wird, dem juristischen, dem administrativen, dem repräsentativen. Aber vielleicht finden die aufgebrachten ‚jungen Leute‘ doch noch Jemande, die sie wollen und die’s können.

 

© Frithard Scholz

27.10.2026